JVC DLA-X30
JVC brachte drei neue Projektoren im Konsumerbereich heraus. Das kleinste Modell ist der DLA-X30 für 2.999 Euro. Die Werksangaben unterscheiden sich nicht großartig vom Vorgängermodell. Dennoch ist ein Blick auf den DLA-X30 durchaus lohnenswert, weil es ein paar Änderungen zum DLA-X3 gegeben hat.
Ausstattung und Technik:
JVC gibt eine Maximalhelligkeit von 1300 Lumen und einen Kontrastumfang von 50.000:1 an. Lt. JVC-Website wird auch mit der E-Shift-Technik geworben. Da ist der Firma offensichtlich ein Übertragungsfehler unterlaufen, weil die 4K E-Shift-Funktion allein den Modellen DLA-X70 und DLA-X90 vorbehalten sind.
Die optische Lens-Shift erlaubt das Bild +/- 80% vertikal und +/- 34% horizontal zu verschieben. Das Objektiv besitzt einen Zoomfaktor von 2,0. Dadurch ist der DLA-X30 ausgesprochen flexibel in der Aufstellung. Mittlerweile wird die 3. Generation der „neuen“ 220 Watt UHQ (Ultra-Hochdruck-Quecksilberlampe) Lampe verwendet. Aufgrund der Bauart soll der Helligkeitsverlust durch die Kalibrierung deutlich geringer ausfallen als bei herkömmlichen UHP-Lampen.
Neu ist in dieser Serie die praktische Lens-Memory-Funktion.
Wer im Heimkino eine Bildwand im Cinemascope-Format nutzt, der erhält mit diesem Feature deutlich mehr Komfort.
Per Tastendruck kann zwischen verschiedenen Bildformaten gewählt werden.
Wie im großen Kino wird das Cinemascope-Bild nun breiter dargestellt als das 16:9-Bildformat bei identischer Höhe.
Die Programmierung ist denkbar einfach.
Das Bild wird mit Hilfe von Zoom, Lens-Shift und Fokus auf der Leinwand eingestellt und gespeichert. Hierfür stehen drei Speicherplätze zur Verfügung. Diese Speicher können beliebig benannt werden (z.B. 16:9 oder 21:9).
Dabei ist der Heimkinobesitzer nicht auf fixe Bildformate beschränkt, wie Beispielsweise die auf Blu-ray meist genutzten 1,85:1 oder 2,40:1. Es ist durchaus möglich, sogar ein Seitenverhältnis von 2,76:1 einzustellen. Damit erscheinen Filme wie „Ben Hur“ und „Das war der Wilde Westen“ dann superbreit bei gleicher Bildhöhe – ein entsprechendes Leinwandformat im Heimkino natürlich vorausgesetzt.
In der Praxis funktioniert die Lens-Memory-Funktion sehr gut. Auf wenige Millimeter genau lassen sich die einzelnen Bildbreiten anfahren. Im Menü braucht nur der gewünschte „Speicher“ ausgewählt werden. Danach verschiebt der Projektor das Bild in der Höhe und zoomt es auf das entsprechende Seitenverhältnis. Anschließend muss der Nutzer nur noch entscheiden, ob er weitere Änderungen am Bild vornehmen möchte. Auf der Leinwand leuchtet nach dem Formatwechsel ein „Ja/Nein“-Button auf.
Nun können Lens-Shift, Zoom und Fokus korrigiert werden, falls diesbezüglich Bedarf bestehen sollte. Die korrigierte Einstellung kann wahlweise auch gespeichert werden.
Nach 5 Bildformatänderungen war der Fokus immer noch perfekt. Dennoch sollte ab und an die Bildschärfe kontrolliert werden, weil durch den mechanischen Betrieb minimale Abweichungen möglich sind.
Auch wenn die Lens-Memory-Funktion beim Panasonic PT-AT5000 deutlich schneller arbeitet, bietet der X30 eine größere Flexibilität. So kann der X30 auch außerhalb der Bildmitte sowie oberhalb oder unterhalb der Leinwand positioniert werden. Das ist beim Panasonic PT-AT5000 nicht möglich, da dieser keinen motorischen optischen Lens-Shift besitzt.
Die Lens-Memory-Funktion funktioniert auch im 3D-Modus einwandfrei. Das ist beim Panasonic AT5000 nicht der Fall und soll nur der Vollständigkeit halber erwähnt sein.
3D wird beim DLA-X30 optional mit angeboten. Emitter und Shutterbrillen können zusätzlich gegen Aufpreis erworben werden. Die neuen 3D-Brillen sind wesentlich kleiner als die Vorjahresmodelle. Sie sind leichter und viel komfortabler zu tragen. Da die Shutterbrille weder Stirn noch Wimpern berührt, verschmutzt sie deutlich weniger als das größere Modell.
Mit der beleuchteten Fernbedienung können bequem vom Sitzplatz aus alle Einstellungen durchgeführt werden. Praktisch ist das vor allem bei der Bildformatwahl. Auf diese Weise ist es auch möglich, die Bildschärfe direkt vor der Leinwand zu korrigieren.
Einstellung und Bildqualität:
Maximalhelligkeit: 1391 Lumen (High Bright)
Maximalhelligkeit/Schwarzwert (D65): 1285 Lumen / 0,04 Lumen
On/Off-Kontrast (D65): 28970:1 (Je nach Zoom und Blendenöffnung bis zu 43.000:1!)
Farbtemperatur: 6500 Kelvin
Brennweite: max. Weitwinkel
Blende: max. offen
Lampenmodus: Hoch
Messpunkt: Bildmitte
Ab Werk laufen alle Bildmodi im Lampenmodus Normal. Der Lampenmodus Normal entspricht dem Eco-Modus anderer Projektoren. Wer die Maximalhelligkeit in seinem Heimkino ausschöpfen will, sollte in den Lampenmodus Hoch umschalten. Hier läuft der X30 zu Höchstform auf. Satte 1391 Lumen werden im High-Bright-Modus erreicht. Damit übertrifft der X30 sogar die Werksangabe von 1300 Lumen. Allerdings liegen hier die Farbwerte jenseits aller Normen. Wer sich einen Projektor in dieser Preisklasse kauft, wird sicherlich auf eine korrekte Farbdarstellung Wert legen. Kalibriert auf 6500 Kelvin (D65) erreicht der X30 satte 1285 Lumen! Der Schwarzwert beträgt 0,04 Lumen. Das sind fantastische Werte, weil die ohne jegliche Blendentricks (z.B. Autoiris) erreicht werden! Die Maximalhelligkeit liegt kalibriert auf D65 nur ganz knapp unterhalb der Werksangabe. Das ist vorbildlich!
Der DLA-X30 verfügt über 3 verschiedene Farbräume.
Der Farbraum STANDARD (HDTV) ist ab Werk schon ordentlich. Er fällt leider etwas zu klein aus. Korrekturen der Primär- und Sekundärfarben sind nicht möglich.
Änderungen über das Servicemenü können nur in sehr eingeschränktem Maße vorgenommen werden. Dazu später mehr (siehe unten).
Der Farbraum ERWEITERT 1 (DCI) ist ab Werk deutlich größer. Allerdings erreicht Grün hier nicht sein volles Farbspektrum.
Der Farbraum ERWEITERT 2 ist noch größer. Allerdings ist Grün auch hier ein wenig beschnitten.
Farbräume sollten immer in der Gesamtheit betrachtet werden.
Der D65 Punkt wird in allen Fällen von den Primär- und Sekundärfarben schon ordentlich getroffen. Auch hierzu folgen später noch ein paar Anmerkungen.
Der Graustufenverlauf ist ab etwa 40 IRE relativ gleichmäßig.
Eine Korrektur über die RGB-Gain/Offsetregler ist schnell durchgeführt.
Mit wenigen Handgriffen ist ein schon guter Farbtemperaturverlauf ab 20 IRE möglich.
Wer es gerne perfekt haben möchte, bezieht den Gamma EQ mit ein.
Mit Hilfe des Gamma EQ ist ein nahezu linearer Farbtemperaturverlauf ab 10 IRE möglich.
Die Farbtemperatur für die Maximalhelligkeit (100 IRE-Testbild) kann übrigens im Service-Menü mit den RGB-Reglern erfolgen. Dadurch geht bei der Kalibrierung keine Maximalhelligkeit verloren, wenn der Graustufenverlauf und das Gamma über den Gamma Equalizer eingestellt wird.
Ganz im Gegenteil. Der DLA-X30 ist sogar rund 50 Lumen heller als in der Werkseinstellung, wenn er auf diese Weise kalibriert wird!
Das Gamma 2,2 ist ab Werk zu niedrig.
Als Ausgangsbasis (Korrekturwert) hat sich der Gammawert 2,5 für die Kalibrierung bewährt, um das Ziel (Gamma 2,22) zu erreichen. Ab 50 IRE verläuft das Gamma schon recht linear.
Mit wenigen Korrekturen ist ein guter Gammaverlauf von 2,22 möglich.
Der Projektor stellt auch kleinste Details in Pixelgröße scharf dar. Dabei sind keinerlei Doppelkonturen zu erkennen. Dank der guten Konvergenzabstimmung liegen Farbsäume im ¼ Pixelbereich von Rot und Blau. Bei Bedarf kann die Konvergenz von Blau und Rot in Ein-Pixelschritten horizontal und vertikal korrigiert werden. Grün steht hier als Referenz.
Selbst wenn der Lens-Shift ausgeschöpft wird ergeben sich nur minimale Farbsäume (Chromatische Abberation), die aus normalen Sitzabständen nicht mehr zu erkennen sind – und somit eher theoretischer Natur sind.
Mit dem Regler Schärfe kann die Bildschärfe subjektiv noch gesteigert werden. Der Regler Detail Aufwertung spitzt kleine Details an. Wer diese Regler gezielt einsetzt, kann ein sichtbar plastischeres Bild erzielen.
Als Ideal empfand ich Schärfe +7 und Detail Aufwertung +25. Damit traten im Film noch keine störenden Doppelkonturen an Objektkanten auf, und kleine Details wurden deutlicher aus dem Bild herausgeschält.
Der Clear Motion Drive soll Bewegungen schärfer darstellen. Dafür gibt es 4 Stufen.
- Stufe 1 fügt ein Schwarzbild zwischen zwei Originalframes.
- Stufe 2 fügt mehrere Schwarzbilder zwischen zwei Originalframes.
- Stufe 3 interpoliert ein Bild zwischen zwei Originalframes.
- Stufe 4 interpoliert mehrere Bilder zwischen zwei Originalframes.
Die Stufen 1 und 2 flimmern sehr stark, so dass sie in der Praxis untauglich sind. Die Stufe 3 arbeitet sehr gut und erzeugt kaum noch Bildfehler. Die FI befindet sich nun auf aktuellem technischem Niveau. Hier hat JVC deutlich nachgebessert im Vergleich zum X3. Die Stufe 4 erzeugt sichtbare Artefakte.
Einwurf:
Für die Kalibrierung eignet sich der Bildmodus FILM sehr gut. Der Farbraum ist ab Werk auf STANDARD eingestellt. Die Einstellung nach REC709 (HDTV) gelingt recht zügig. Damit ergibt sich ein insgesamt stimmiger Bildeindruck.
Wer eher kräftigere Farben wie im Kino bevorzugt, der kann den Bildmodus KINO in Verbindung mit dem Farbraum ERWEITERT 1 nutzen. Auch hier ergeben sich stimmige Farben, ohne dass diese zu „Bonbonfarben“ werden.
Obwohl der Farbraum ERWEITERT 2 größer ist als ERWEITERT 1, werden die Farben in dem „kleineren“ Farbraum kräftiger dargestellt. Vor allem Rot ist deutlich gesättigter. Ein Blick auf die Delta Luma-Werte bestätigt diesen Eindruck. In ERWEITERT 1 sind die Y-Werte für Rot und Magenta fast doppelt so hoch. Dadurch wirken Filme mit dem Farbraum ERWEITERT 2 viel zu Grün/Gelbstichig!
Darüber hinaus verfügen die unterschiedlichen Bildmodi über voneinander abweichende Farbsättigungen. Auch wenn exakt dieselben Einstellungen genutzt werden, unterscheiden sich Farben teilweise extrem voneinander.
Das Gesicht von James Bond in Casino Royale besitzt den Farbton eines Krebses im Bildmodus User1, wenn der Farbraum ERWEITERT 1 genutzt wird. Durch die völlig übersättigten Werte Magenta und Rot verschmieren auch die rotfarbigen Neonschriften in LOVE SONG FÜR BOBBY LONG ineinander. Mit demselben Farbraum im Bildmodus Kino werden das Gesicht von James Bond und die Neonschriften in der Bar von LOVE SONG FÜR BOBBY LONG korrekt dargestellt.
Beim DLA-X3 war es möglich, den Farbraum über das Servicemenü innerhalb von wenigen Minuten nahezu perfekt einzustellen.
Beim DLA-X30 funktioniert das leider nicht mehr!
Die Primärfarben bleiben nahezu wie angewurzelt auf ihren Koordinaten stehen. Allenfalls die Sekundärfarben (Gelb, Cyan und Magenta) können vollumfänglich verändert werden. Allerdings arbeitet hier das Farbmanagement weitgehend fehlerhaft. Es müssen die Blauregler genutzt werden, um Magenta zu verändern! Die Gründregler verändern Cyan! Gelb kann perfekt mit den Gelbreglern eingestellt werden.
Die Regler für Rot, Blau und Grün haben auf RGB keinen nennenswerten Einfluss! Das ist schade, da Grün in allen Farbräumen ab Werk seine Zielkoordinaten nicht erreicht.
Ob das der höheren Maximalhelligkeit geschuldet ist, entzieht sich meiner Kenntnis.
Wie eingangs bereits geschrieben (siehe oben), muss ein Farbraum vollumfänglich betrachtet werden. Obwohl die Zielkoordinaten für RGB innerhalb der Farbräume nicht exakt getroffen wurden, erscheint das Bild insgesamt stimmig. Hier hat JVC eine gute Vorarbeit geleistet. So bedarf es praktisch nur noch der Einstellung der Farbtemperatur von 0-100 IRE und einer Gammaanpassung.
Wer die Farbdarstellung perfekt einstellen will, muss zu den Modellen X70 oder X90 greifen. Diese verfügen über ein vollumfängliches Colormanagement.
Bildeindrücke:
Als erstes landet STAR WARS – Episode 3 im Player. In Kapitel 3 erstrahlen die Sterne derart plastisch im schwarzen Weltraum, dass es eine wahre Freude ist. Während der Weltraumschlacht entdecke ich immer wieder Details, die ich bisher noch nicht gesehen habe. Die Laserstrahlen scheinen förmlich Löcher in die Leinwand brennen zu wollen.
In JAMES BOND – CASINO ROYALE landet James Bond auf den Bahamas. Das türkisfarbige Meer wird in seiner ganzen Pracht dargestellt. Feinste Farbabstufungen sind hier zu erkennen. Als Bond aus dem Flugzeug aussteigt, wird sein sonnengebräuntes Gesicht realistisch dargestellt. Der blaue Himmel im Hintergrund wirkt sehr natürlich. Aufgrund der hohen Maximalhelligkeit habe ich den Eindruck, tatsächlich eine sonnendurchflutete Tageslichtszene zu sehen. Satte 23 Footlamberts auf 3 Meter Bildbreite ermöglichen diesen Eindruck. Das ist deutlich heller als die von THX für gewerbliche Kinos im Mittel vorgeschriebenen 16 Footlamberts!
Dank des hohen nativen Kontrastumfanges und des annähernd perfekten Schwarzwertes hebt sich Prof. Snape in HARRY POTTER UND DIE HEILIGTÜMER DES TODES Teil 2 im Fensterrahmen deutlich vom schwarzen Hintergrund des Raumes ab. Dabei sind die Details auf seinem schwarzen Anzug noch deutlich zu erkennen.
Dunkle Szenen werden so fantastisch durchgezeichnet, dass sich jetzt sogar die einzelnen Angreifer von Lord Voldemords Armee auf die Zauberschule zählen lassen.
In THE DARK KNIGHT leuchtet der brennende Feuerwehrwagen vor der Einfahrt des Gefangenentransports in den Tunnel dermaßen gleißend hell in der stockdunklen Nacht, wie es realistischer kaum noch aussehen kann. Die aus der Vogelperspektive gefilmten Hochhäuser werden dabei so scharf dargestellt, dass ich es kaum fassen kann. Einzelne Fenster, Menschen und Autos auf den Straßen sind noch am Horizont deutlich zu erkennen. Das ist ganz großes KINO!
Fazit:
Der JVC DLA-X30 begeistert aufgrund seiner schieren Lichtleistung und dem hohen Kontrastumfang mit einer sehr guten Bildschärfe. Bis zu 3,70 Meter Bildbreite können mit 16 Footlamberts ausgeleuchtet werden, die THX für gewerbliche Kinos im Mittel vorschreibt. Die Lens-Memory-Funktion bietet Besitzern von Leinwänden im Cinemascope-Format einen Komfortgewinn. Die Frame Insertion arbeitet in Stufe 3 auf aktuellem technischem Niveau.
Text und Fotos: Michael B. Rehders













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