JVC DLA-X3 Testbericht mit Messergebnissen, Messdiagrammen, Screenshots
Der JVC-X3 ist der erste Full HD-Projektor unter 5000 Euro, der die Möglichkeit bietet, 3D-Filme mit 1920 x 1080 Pixel abzuspielen.
Hier nun der umfangreiche Test inkl. Messergebnissen, Messdiagrammen und Screenshots von 2D und 3D Filminhalten, um beide Dimensionen miteinander zu vergleichen.
Doch der Reihe nach.
Ausstattung:
JVC ersetzt die aus den Modellen HD350/550 bekannte Philips UHP-Lampe mit 200 Watt gegen ein neues Modell mit 220 Watt. Die neue Lampe bündelt das Licht stärker, wodurch weniger Streulicht im Lichtkanal des Projektors entsteht. Die Folge ist eine höhere Lichtleistung als beim HD550 und ein höherer nativer Kontrastumfang.
Ein 24p-Reverse-Pull-Down gibt 60 Hz-Bildmaterialien (wie z.B. US-DVDs im NTSC-Format) mit 24 Hz aus. Dadurch werden diese Filme ruckelfrei dargestellt. Dieses Feature versteckt sich im erweiterten Menüpunkt „Clear Motion Drive“.
Die Frame Insertion besitzt 4 Stufen. 3D kann auf Wunsch „nachgerüstet“ werden. Der hohe Zoomfaktor von 2.0 (Brennweite 1,38 – 2,77) bietet eine sehr flexible Aufstellung, zumal Zoom, Fokus und H/V-Lens-Shift per Fernbedienung bequem vom Sitzplatz aus eingestellt werden können. Der Brennweitenbereich ist groß genug, um von 16:9 auf 21:9 hin und her zu zoomen. Sogar die Konvergenz kann horizontal und vertikal in 1-Pixelschritten korrigiert werden. Wer einen Anamorphoten (z.B. von Isco oder Schneider) nutzt, braucht diesen beim Bildformatwechseln nicht einmal mehr aus dem Lichtweg zu nehmen. Im Menü für den Anamorphoten gibt es u.a. den Punkt “Anamorphot B”. In dieser Einstellung wird das 16:9 Bild so verkleinert, dass es im richtigen Seitenverhältnis in die Leinwandmaskierung passt, ohne dass der optische Zoom genutzt werden muss. Diese Einstellung war bislang nur teuren externen Videoscalern vorbehalten. Zwei HDMI- und ein Componenteneingang runden die Ausstattung sinnvoll ab.
Helligkeit, Kontrast, Schärfe und Farben:
Die maximale Helligkeit wird von JVC mit 1300 Lumen angegeben. Der JVC-X3 übertrifft diesen Wert sogar im hohen Lampenmodus und kommt auf 1366 Lumen. Allerdings liegt die Farbtemperatur in diesem Bildmodus bei über 9500 Kelvin und das Bild erscheint stark grünstichig.
Auf D65 kalibriert erreicht der X3 im hohen Lampenmodus 936 Lumen. Damit ist er sogar noch ein wenig heller als im Bildmodus Kino/Film (910 Lumen) mit 6500 Kelvin, weil „6500K“ ab Werk zu warm eingestellt ist.
Sehr gut ist der zu hohe Rotanteil bei 6500 Kelvin ab Werk zu erkennen.
Nach der Kalibrierung ist der Graustufenverlauf ab 10 IRE wie mit dem Lineal gezogen.
Delta E liegt nach der Kalibrierung ab 10% zwischen 0,1 und 0,5. Das sind nahezu perfekte Werte. Alles unter 3,0 wird in der Regel als „Luxus“ bezeichnet.
Ermöglichen tun diese Werte der vorbildliche Gamma EQ. Zwischen 5% und 95% können Weiß, Rot, Grün, Blau ideal eingestellt werden.
Der ANSI-Kontrast ist ebenfalls erhöht worden und liegt nun bei 420:1. An die guten Werte eines DLP kommt der X3 damit nicht heran.
Ein Alleinstellungsmerkmal ist aber weiterhin der native On/Off-Kontrastumfang.
Sagenhafte 0,02 Lumen beträgt der Schwarzwert bei offener Blende, hohem Lampenmodus.
Der On/Off-Kontrast beträgt rund 35.000:1. Dieser lässt sich mittels manueller Blende und min. Zoom (Telestellung) des Objektives sogar noch auf 47.000:1 steigern.
Der X3 bietet 3 verschiedene Farbräume.
- Standard entspricht dem HDTV-Farbraum (REC709)
- Erweitert 1 entspricht dem DCI-Kinostandard
- Erweitert 2 ist der größte darstellbare Farbraum
Da der X3 über kein vollständiges CMS (Farbmanagement) verfügt, können die Farbräume leider nicht korrigiert werden.
Das ist auch gar nicht erforderlich, weil die Farbräume schon sehr gut die entsprechenden Normen treffen.
Farbraum Standard: Gut zu erkennen, dass die Norm schon relativ gut eingehalten wird.
Ab Werk: Der DCI-Kinostandard besitzt einen größeren Farbraum als die „HDTV-Norm“.
Nach der Kalibrierung wird der D65-Punkt recht gut getroffen.
Der Gammaverlauf ist nach geringen Korrekturen zwischen 30% und 60% mit einem Korrekturwert von 2,2 (Standard) praktisch perfekt.
Wie an der Schnur gezogen verläuft das Gamma und erreicht einen Durchschnittswert von 2,2.
Frame Insertion:
Der „Clear Motion Drive“ soll bewegte Bildobjekte schärfer darstellen und das typische „Verschmieren“ der digitalen Projektion reduzieren. Dafür hat JVC dem X3 sogar 5 verschiedene Stufen spendiert.
- Aus
- Stufe 1 fügt ein schwarzes Frame zwischen zwei Originalbilder
- Stufe 2 fügt mehrere Black Frames ein
- Stufe 3 Interpoliert ein zusätzliches Bild zwischen zwei Originalbilder
- Stufe 4 interpoliert mehrere Bilder
Ich habe das Gefühl, dass sich die native Bewegungsschärfe minimal zum HD550 verbessert hat. Im Vergleich scheinen sich bewegende Objekte weniger zu verschmieren. Deutlich geringer sind die Farbsäume geworden, die nur noch erahnbar sind.
Um das Fazit des „Clear Motion Drive“ vorwegzunehmen – sämtliche Stufen stellen zum Teil massive Fehler dar..
In Stufe 1+2 flimmert das Bild unerträglich. In Stufe 2 wird dabei auch noch die Helligkeit deutlich sichtbar reduziert.
In Stufe 4 werden Bildfehler in Form von Pixelrauschen im Sekundentakt verursacht.
In Stufe 3 sind zwar weniger Fehler im Filmbetrieb offensichtlich, aber Testsequenzen und „schwieriges Filmmaterial“ sind mit massiven Artefakten überhäuft.
Alle 4 Stufen stellen an bewegten vertikalen Linien deutlich sichtbare grüne und rote Farbsäume dar, die im Film nicht vorhanden sind. Diese Farbsäume sind in den hohen Stufen (2 + 4) bis zu 3 Pixel breit!
Deutlich ist auch das heftige Pixelrauschen von Stufe 3+4 auf dem sich bewegenden „H-Burst“ Testbild der Test DVD von Peter Finzel zu erkennen. Ärgerlich!
Die Bildschärfe wurde ebenfalls verbessert. Kleine Details zeichnen sich noch ein wenig deutlicher ab als beim HD550.
Mittels der Detailschärfe können kleine Details ganz nach persönlichem Geschmack „angespitzt“ werden, wodurch das Bild subjektiv schärfer erscheint.
Bildeindrücke 2D:
Auf einer 3 Meter breiten Bildwand (Gain 1,0) erreicht der JVC-X3 (Blende offen, Lampenmodus-Hoch, max. Zoom/Weitwinkel) stattliche 17 Footlamberts (fL) und liegt damit sogar geringfügig über der von THX im Mittel geforderten 16 fL für professionelle Kinos. Selbst mit einem zu erwartenden Lichtverlust von etwa 15% innerhalb der ersten 500 Lampenstunden würde der X3 mit über 14 fL noch über der von SMPTE für Kinos geforderten Mindesthelligkeit von 12 fL liegen.
Kapitel 1 von „Casino Royale ist komplett Schwarz Weiß. Einfärbungen (Shading) sind selbst bei genauem Hinsehen nicht zu erkennen.
Als der Zug in der „Montenegro“-Szene durch das Tal fährt, schält der X3 selbst kleinste Details aus den dunklen Bildinhalten heraus. Die Nadelstreifen auf James Bonds Jackett heben sich deutlich vom dunklen Stoff ab.
Als das Flugzeug mit James Bond auf den Bahamas landet, werden das türkisfarbige Meer, der blaue Himmel und die grünen Bäume in ihrer ganzen Pracht abgebildet. Hier kommt wahrlich Urlaubsstimmung auf.
Die „Tunnelszene“ (Kapitel 21) in „The Dark Knight“ zeigt die Stärken des JVC-X3. Während der Polizeiconvoy durch die dunklen Straßenschluchten fährt, leuchten die rot/blauen Blinklichter der Einsatzfahrzeuge und die Fenster der Wolkenkratzer dermaßen plastisch, dass es eine wahre Freude ist.
In Kapitel 1 (Flug über das Dach) zeigt die Stufe3 der FI zahlreiche Artefakte in Form von Pixelrauschen in den Fenstern der Wolkenkratzer, dem Container auf dem Dach und sämtlichen vertikal verlaufenen Linien im Bild. Zugegeben eine schwierige Szene. Aber andere Projektoren (z.B. Panasonic PT-AE4000 und LG-CF181) machen das deutlich besser!
Bildeindrücke 3D:
Die 3D-Shutterbrille muss als Extra dazu gekauft werden, ebenso der Emitter.
Es wurde im Vorfeld viel Spekuliert über die Helligkeit der 3D-Projektion. Auf 2,20 Meter Bildbreite erzielt der X3 im 3D-Modus rund 8 fL. Damit ist das 3D-Bild doppelt so hell wie im Kino!
Der Emitter (Infrarotsender) synchronisiert die Shutterbrille mit dem 3D-Bildsignal des Projektors. Aufgrund der digitalen Ansteuerung der D-ILA schalten beim X3 sämtliche Pixel gleichzeitig um. Im Gegensatz zu einem Sony VW90, bei dem die Umschaltung der SXRD-Pixel nacheinander von oben nach unter erfolgt, hat das gleichzeitige Umschalten der Pixel den Vorteil, dass die Verschlusszeit der Brille verlängert werden kann (bleibt länger geöffnet). Dadurch erhöhrt sich einerseits die native Helligkeit im 3D-Modus und andererseits reduziert sich das Ghosting (Übersprechen der Stereokanäle), weil nur das jeweils projizierte Bild (für das linke und rechte Auge) die entsprechende Seite der geöffneten Brille passieren kann.
Der Bildmodus 3D des X3 erzielt maximal 1.123 Lumen auf der Bildwand mit einem 2D-Bildsignal. Damit ist dieser Modus sogar heller als die Kino/Film und der kalibrierte Benutzer 1 Modus. Dies ist der erhöhten Farbtemperatur von 8500 Kelvin geschuldet. Die hohe Farbtemperatur ist für die 3D-Wiedergabe notwendig, weil das Bild durch die Shutterbrille verändert wird und dadurch hinter der Brille tatsächlich runde 6500K erzielt werden.
Auf der Leinwand erreicht ein 3D-Weißbild (100 IRE/8500K) 688 Lumen. Davon bleiben hinter der Brille (6500K) noch 233 Lumen übrig.
Damit ist das Spitzenweiß im 3D-Modus hinter der Brille 75% dunkler als das Spitzenweiß eines 2D-Bildes.
Auf 2,20 Meter Bildbreite begeistert „Avatar“ in 3D. Die Tiefenstaffelung ist vorbildlich und erstreckt sich immer wieder von der Brille bis zum Horizont. Ghosting (Übersprechen der Stereokanäle) war nicht auffällig. Die Bildschärfe, die Durchzeichnung und der Kontrastumfang stehen der 2D-Fassung nicht nach. Leider entspricht die Farbanmutung nicht dem Original. Im A/B-Vergleich mit der inhaltlich identischen 2D-Fassung sind die Unterschiede recht deutlich zu erkennen.
Das Spitzenweiß sieht hinter der Brille gelblich eingefärbt aus, so als ob diese Farbe durch Clipping verändert wird. Auf der Leinwand (ohne Brille) sind die Farbwerte aber in Ordnung.
Auf dem 2D-Bild ist der Himmel sehr natürlich.
Hinter der Brille: Auf dem 3D-Bild scheint der Himmel gelblich eingefärbt.
Auf der Leinwand: Das 3D-Bild besitzt keine gelbliche Einfärbung. Der hohe Blauanteil (im Vergleich zum 2D-Bild) ist in der Farbtemperatur von 8500 Kelvin begründet.
Leider lassen sich die Farben im Bildmodus 3D nicht korrigieren. Die nötigen Parameter im erweiterten Menü sind ausgegraut.
Deutlich ist die Verfärbung auch auf den folgenden Screenshots zu erkennen.
Während der Teint der Navi im Original Blau ist, driftet die Farbe der Haut in der 3D-Fassung ins Gelbliche ab.
Hautton und Durchzeichnung des 2D-Bildes sind perfekt.
Die Hautfarbe der Navi im 3D-Bild entsprechen (hinter der Brille) nicht mehr dem Original.
Gut zu erkennen ist auf allen Screenshots, dass die Bildschärfe und Detailauflösung zwischen beiden Fassungen identisch ist.
Der Helligkeitsunterschied zwischen der 2D und 3D-Fassung ist allerdings so groß, dass dieser mit einer einzigen Blende/Belichtungszeit nicht mehr sinnvoll reproduziert werden kann.
Erstaunlicherweise funktioniert 3D sogar noch auf 3 Meter Bildbreite recht gut. Obwohl nur 4 fL erzielt werden (damit ist das Bild in 3D fast so hell wie im Kino), ist der Eindruck spektakulär. Auch wenn im Vergleich die Farben massiv an Farbbrillanz verlieren und das Bild einfach nicht mehr so intensiv leuchtet, macht 3D subjektiv viel Spaß.
JVC DLA-X3
D-ILA
Messwerte:
Lumen (max. Helligkeit, Lampenmodus-Hoch): 1.366
Lumen (D65, Lampenmodus-Hoch) Schwarz/Weiß: 0,02/936
Lumen (3D, 6500K, Lampenmodus-Hoch, hinter der Brille): 233
Kontrast:
On/Off: 35.000:1 (Lampenmodus-Hoch, D65, Blende-offen, max. Weitwinkel) bis max. 47.000:1
ANSI: 420:1
Tipp:
Im erweiterten Bildmenü ist der NR-Filter (Rauschfilter) ab Werk auf 8 eingestellt. Dieser sollte unbedingt auf 0 reduziert werden, weil sich dadurch die native Bildschärfe deutlich erhöht.
Fazit:
Der JVC DLA-X3-B ist der neue Stern am Projektorhimmel. Er begeistert sowohl im 2D- als auch im 3D-Modus mit seinen ausgesprochen scharfen, kontrastreichen und detaillierten Bildern. Der einzige Mangel ist die Frame Insertion, die auch in der 2. Generation leider noch immer fehlerbehaftet ist. Im 2D-Modus stehen hingegen ausreichend hohe Lichtreserven zur Verfügung, um Bildbreiten bis 3,50 Meter nach Kinonorm strahlend hell auszuleuchten.
Vorteile:
+ scharfes Bild
+ 3D
+ natürliche Farben nahe der Norm
+ Zoom, Fokus, Lens-Shift per Fernbedienung
+ hohe Lichtleistung im 2D-Modus
+ sehr großer nativer Kontrastumfang
+ kein Pixelraster zu sehen
+ kein sichtbares Shading
Nachteile:
- Die Frame Insertion arbeitet in allen Stufen fehlerhaft
- Eingefärbter Weißpegel hinter der Shutterbrille im 3D-Modus





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